Ich glaube nicht, daß wir verstehen können, was derzeit geschieht. Später wird man uns fragen, da wir Zeitzeugen sind, wie es war während der „Corana-Krise“. Wir werden uns Antworten zurechtlegen, da man uns fragt. Immerhin sind wir dabei, werden dabei gewesen sein. Ich würde meinen Bericht beginnen lassen mit den Worten „Alles fühlte sich seltsam an“. Das überließe dem Fragenden die Möglichkeit, sich auf „alles“ oder „seltsam“ zu kaprizieren – auf beides wäre ich eingerichtet. Es gibt für mich – ich wiederhole es – vordergründig keinerlei Verstehensproblem bei dieser Sache. Sogar die unterschiedlichen Vorgehensweisen und Maßnahmensalternativen samt ihrer Begründungskataloge kann ich nachbeten, Herrgott. Doch in welche Verstehensgröße übersetze ich selbst mir die vergangenen und noch folgenden Wochen? Wie spricht mich die Zivilisation an, der ich angehöre, was verrät sie über sich? Was verrät mein Verhalten über mich? Denn ich bin nicht tot, ich liege nur auf der Lauer. Ich will wirklich wissen, was mit uns geschieht, und gebe mich nicht schnell zufrieden. Suche nach dem, was dahinter steckt – hermeneutischer Ehrgeiz. Sein Vorurteil lautet, daß etwas dahinter steckt. Am flachen Geschehen gleitet das Verstehen ab, scheint es.
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