Die geraubten Momente 2

Den Titel eines Beitrags setze ich stets zuletzt. Warum sind die Momente geraubt, von wem denn? Es könnten doch auch geschenkte Momente gewesen sein. Von wem geschenkt und warum? Ich wollte sagen (habe es nicht geschrieben): Photographien sind unheimlich. Als sei mit ihnen etwas genommen, was woanders hingehört. Zugleich (oder andererseits) ist mit ihnen etwas aufgehoben und materiell bewahrt. Ich erkenne mich auf den alten Bildern wieder, weiß manchmal sogar noch, wie es sich anfühlte – dort zu sein: auf diesem Sportfeld nahe des Klinikums; wir waren halb alt, halb jung; Anfang oder Mitte dreißig; Freunde, in Liebe verbunden, respektvoll; die Sonne sank langsam zu Boden, davor standen Büsche; es gab Turnübungen und Frisbee-Würfe; ich wußte bereits, daß es nicht Hautkrebs ist; die Liebe versickerte im Erdreich auf dem frisch geschnittenen Rasen; Karnickel hoppelten herum; wir sprachen über den Bumerang als Jagdwaffe (wuschwuschwusch); endlich gab es Abschied; ein jeder in seinen Abend, seine Nacht. Tiefe Stunden, sommerleicht und schmerzensschwer. Menschen können was.


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