Die geraubten Momente 3

Es gibt die inneren Photographien. Es sind nicht Photographien, sondern Bilderinnerungen. Doch sie erscheinen wie Photos, da wir Teilnehmer einer Photo- und Filmzivilisation sind, Opfer und Täter im Dokumentationszeitalter, Realismus-Freaks, Archivierungssüchtige, Verdopplungstätige. Mit nach Hause nehmen, noch einmal ansehen, Freunden zeigen. Aber es gibt, so fing ich an, die inneren Photographien. Bilder des Auges während einer Fahrt oder im Sitzen auf einem Barhocker lange nach Schichtende, und ich weiß noch genau, wie sie aussah, deren Bild ich damals aufnahm, ohne eine Kamera zu benötigen. Blicke aus dem Seitenfenster während der Fahrt auf einer Autobahn, A44, westwärts, in die Sonne hinein, und die Wälder auf den Höhen und die Feldwege dorthin, ich wollte sofort wandern, vorher aussteigen. Wohin führen denn diese Wege? Aber ich mußte offenbar woanders hin, sonst hätte ich mich aussteigen lassen, auf dem nächsten Parkplatz, und wäre gelaufen, auf den Wald zu und in ihn hinein. Blöde Pflichten, von schöner Sehnsucht heimgesucht.


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