Die Sonne schien

Karl Valentin: „Der Mensch ist gut, nur die Leute sind schlecht.“ Mit diesem Satz im Kopf durch die Stadt, in der ich einmal wohnte und wenig fand. Sie könnten dort, aber sie können nicht. Das macht mich nun nicht mehr traurig, da Hannover sich ja selbst genügen kann. Ob Bescheidenheit mit Ehrlichkeit verwandt ist, weiß ich nicht. Ausgerechnet an diesem Ort systematisch verdeckter Möglichkeiten leben schöne Menschen und liebe Freunde. Ich habe dort seit Jahren einen Rückhalt, der mich schützt und birgt. Alle Wege in die alte Heimat und zurück führen über Hannover. Am Hauptbahnhof aßen wir heute eine Currywurst, die ausgezeichnet schmeckte. So gut, daß ich mir merken werde, daß sie dort besonders gut schmeckt. Neben uns stand ein Mops und sah seinem Frauchen zu, wie sie etwas Leckeres bestellte. Er war sehr aufmerksam und blickte gelehrig, als müsse er nächster Tage allein dorthin und bestellen, und das, obwohl er so klein ist. Leider muß man Abschied nehmen, wenn man fährt. In Berlin war die U7 proppenvoll. Alle verhielten sich ruhig, dem Januar entsprechend, der Lärm und Hektik nicht verträgt und uns zurückführt an den Nullpunkt oder die Basis oder die Grundlagen. Tag für Tag weiter. Nicht erfrieren, nichts verschwenden. Anständig essen, schöne Bilder betrachten, gut über das Leben denken.


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