Sinn und Zweck unterscheiden

Die Versuche reißen nicht ab, Kunst und Künstler an etwas binden zu wollen, eine Richtlinie, einen Endzweck, ein Vorhaben. Oft ist von Verantwortung die Rede. Wer von Verantwortung spricht, schiebt unweigerlich die Machtfrage in den Raum. Man hat versucht, die Künste an die Moral, die Pädagogik, die Politik, den Staat, die Kirche, die Didaktik zu binden. Aber die Heilkraft der Kunst besteht nicht darin, frommes Zeug von sich zu geben oder gute Sitten zu illustrieren. Die Künste nennen wir frei, weil ihnen niemand Vorschriften machen darf. Diese Freiheit ist errungen worden, und aus Einsicht oder Gewohnheit besteht sie fort. Daß sie dadurch gefährlich und Herrschenden mißliebig sind, versteht sich von selbst. Von der Kunst Korrektheit zu erwarten ist eine Zumutung. Kunst bewegt sich im ungesicherten Vorfeld künftiger Kultur, da gehe ich ganz mit Gottfried Benns Unterscheidung von Kunst und Kultur. Der Künstler ist ein Asozialer, ein Aussätziger, nicht selten Gemiedener. Die Ausstellungen und Ehrungen kommen später, meist post mortem. Wer auf Ehrungen und Preise aus ist, verrät das Beste an sich. Also die Unsicherheit ertragen, die Anfechtungen, die Zweifel. Sich nicht sozialisieren, nicht in der Erwerbsgesellschaft, dem Delirium der Nichtigkeiten. Was wir können, nennen sie kulturelles Kapital. Wem’s nützt, soll es helfen.


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