Jack Reacher kenne ich seit vier Romanen. Ich lese sonst nicht solches „Zeug“. Lee Child läßt mich eine Ausnahme machen. Ein alter Freund hat mich vor Jahren auf diesen Autor aufmerksam gemacht. Zwanzig Jahre später probiere ich nun, ob es mir möglich ist, einen Unterhaltungsroman von Anfang bis Ende zu lesen. Einen Roman also, der auf Handlung abgestellt ist und nebenbei noch auf etwas „Psychologie“, und drittens Weltwissen einstreut, wie man zum Beispiel anhand der verstreut auf dem Boden liegenden Patronenhülsen erkennt, ob der Schütze Links- oder Rechtshänder ist. Vier Jack-Reacher-Romane bisher, ich werde einen fünften lesen wollen. Dabei fortwährend das Gefühl, nicht ausreichend ernährt zu werden, verbunden mit jenem anderen, etwas zu mir zu nehmen, was ich bisher nicht verdauen mußte. Es schmeckt seltsam und anfangs ein wenig primitiv. Alles ist, was es ist. Straße, Tankstelle, Hotelventilator. Hitze und regenlose Wolken. Karger Realismus. Einsamkeit eines ungestalten Mannes, den niemand mehr kennt. Was er benötigt, kauft er sich. Niemals bleibt er irgendwo. Moderner Nomade, ausgespuckt aus dem staatlichen Verwertungs- und Belohnungssystem, durchtrainiert, ein Kämpfer. Nun sehe ich Tom Cruise als Jack Reacher – aber das haut nicht hin. Tom Cruise ist zu nervös, zu eitel, zu sehr Kamera, zu sehr Hey, how are you. Das kriegt er nicht aus seinem Gesicht, das sitzt da fest.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.