Die Tage werden kürzer. Melancholie schleicht um die Häuser wie eine fette Ratte, die sich mästen will an Schmerz und Tränen. Auch mit Kummer kann sie vorlieb nehmen, zur Not sich begnügen mit einer kleinen süßen Verzweiflung. Ach, wir Menschlein, ausgesprochen unscheinbar unter riesenhaftem Himmel, „das Ganze“ besprechend, als ließe das sich zu Worten herab. Nun gut, wir haben probiert und probieren erneut, darin liegt Tapferkeit eng neben Vermessenheit, das ehrt die Narren und zeichnet Helden aus. Drücken wir die Daumen, und wenn wir es vergessen, ist das auch nicht schlimm. Wir mogeln uns durch mit ein klein wenig Wissen und angelesenen Weisheiten, das muß reichen, sehr weit reicht es nicht. Melancholie fräst sich ein, zaghaft tastend die rotierenden Schneiden, die geschliffenen Zähne des Nehmens. Ich denke an den Rattenkorb, den sie Gefangenen aufsetzten, damals, als man noch offen brutal war in den Exerzitien des Todes, auch um sicherzugehen bei den Höllenqualen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.