Alles oder nichts

Kann man mit einem schlimmen Menschen Mitleid haben? Sogar damit, daß er sich hassenswert gebährdet und sein Verhalten durch eine Gnadenlosigkeit gekennzeichnet ist, die keine Rücksicht mehr kennt?

Ich stolperte gestern auf der Suche nach Hedgefonds-Managern und ihrem Spiel mit Risikokapital auf Florian Homm. Von ihm stammen Sätze wie: „Wenn das Blut in die Straßen fließt, dann mußt du investieren.“ Abenteurer, Schlitzohr, Zocker – eine Figur wie aus einem Roman von Jack London, jemand der stets einen Schritt weiter geht als die Konkurrenz, auch kurz vor dem Abgrund. Aufsteiger, Emporkömmling, Snob. Leistungsorientiert, ehrgeizig, erfolgsbesessen. Er besitzt zwei Privatjets, unzählige Villen, eine Luxusyacht. „Immer mehr Spielzeug bei immer weniger Zeit“, wie es in From Hell to Heaven – Der Fall des Florian Homm heißt (Deutsche Welle, 2016). Ein Youtube-Kommentator schreibt: „Der Typ ist der Hammer! Große Fresse, sehr viel dahinter!“

2007 steigt er aus, taucht unter, eine halbe Millionen an Bargeld dabei. Mit seinem Flugzeug fliegt er los, Ziel unbekannt. Die Investmentfirma stürzt ohne ihren Chefanleger ins Bodenlose, 90 Prozent Kursverlust. Die Fallhöhe ist beträchtlich. Unverantwortlich sei solches Verhalten, befinden einige in seinem Umfeld. Investoren schwören Rache, die Staatsanwaltschaft ermittelt, das FBI fahndet. Aktionäre beschweren sich. Florian Homm dazu: „Ich kann doch meinen Job kündigen, oder habe ich da eine Klausel drin, daß ich versklavt bin?“

Reporter: „Sie hatten ja Mitarbeiter, sie hatten eine Struktur – da kann man ja nicht einfach …“ – Homm: „Doch, man kann alles. Man kann eine Entscheidung fällen, man kann alles machen. Du kannst dich morgen entscheiden, du wirst Serienmörder, und ich kann mich morgen entscheiden, ich diene der Heiligen Mutter. Und ich kann auch entscheiden, ich gehe jetzt auf Tauchstation, bis ich Antworten finde: was das war und was das soll und was mich erfüllt.“

2013 wird er in Florenz gefaßt und in Untersuchungshaft gesteckt. Er teilt die Zelle mit Mördern und Vergewaltigern, kommt nach Ablauf der Höchstdauer der U-Haft aber frei und kehrt zurück nach Deutschland. Mittlerweile hat er sich dem katholischen Glauben zugewandt und nennt den Allmächtigen seinen neuen Chef.


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