Niemand braucht Kunst – bis auf jene wenigen, die ihrer zu bedürfen scheinen, jedenfalls von sich denken, ohne Kunst nicht leben zu können. Und die Literatur, die Poesie – ist tot. Niemand braucht ein Buch, ein Gedicht – mit der obigen Einschränkung. An diesen Fronten werden keine Kämpfe mehr entschieden. Niemand mehr erwartet vom Kunstwerk einen substantiellen oder existentiellen Durchbruch, das Artistenevangelium ist ausgeglaubt. Weiterhin erscheinen literarische Werke, der Betrieb macht weiter und ernährt seine Hundertschaften. Im Informationszeitalter ist auch das poetische Werk kaum mehr als eine weitere Information – man kann sich durch sie unterhalten lassen, aufmuntern vielleicht oder, wer es mag, deprimieren. Eine recht angestrengt wirkende Form von Information: das alles kann man doch einfacher sagen. Es soll einfach sein, das wird erwartet und also auch verlangt. Vorbei die Zeit, als einem Kunstwerk Erlösung oder Offenbarung zugetraut wurde. Die Genies sind alle tot. Die Gewerbetreibenden machen weiter. Man sollte das Wort abschaffen, eine gute Weile von ihr schweigen. Kunst muß sich ausruhen, sie hat sich erschöpft und ist sterbensmüde.
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Kunst, lieber Holger, Malerei, Literatur, ist mehr als Politprop. Sie richtet sich an den Einzelnen.Sie greift ein in die Wahrnehmung und ins Bewusstsein – wodurch auch immer. Faulkner – wer kennt, wer liest seine Romane? Hör Dich mal im Bekanntenkreis um? Du wirst nicht viele finden. Ist und bleibt er deswegen nicht aktuell? Was Du beklagst, ist die Nachfrage nach sprachlich billiger Literatur. Lass sie den Leser doch lesen! Besser als in der Nase zu popeln oder das Handy zu streicheln. Die Gedichte von Brigitte Oleschinski sind für jene geschrieben, die mit ihr die Sprachkrusten aufbrechen wollen. Kunst ist und hat sich nicht erschöpft, und müde oder gar sterbensmüde ist nur die eine und der andere Künstler. Und wenn schon? Selbst Kafka war meist erschöpft.