Jemand ist verliebt und strahlt und fühlt sich erstmalig nach Wochen oder Monaten oder Jahren wieder lebendig und froh und ganz richtig. Das ist ein Genuß, eine große Sache, eine Glücksangelegenheit, und alle sehen es und freuen sich. Da erfüllt sich etwas, da ist zurechtgerückt worden, da bestätigt sich Leben. Es überträgt sich auf die Freunde und Bekannten, die weitere Familie. So soll es sein! Liegen wir richtig, liegen wir im Leben. Das Leben lebt sich durch uns. Es belohnt unsere Gefolgschaft mit guten Gefühlen, wir werden überschüttet mit feinstofflichen Belohnungen. Der Körper ist ein Selbstbelobigungsautomat, der reichlich spendet, wenn das Richtige geschieht.
Der Verliebte denkt: Endlich geht es mir wieder gut, richtig und wirklich gut. Das ist der Trick. Der Natur, deren Programme auf der Weitergabe von Leben beruhen, ist nahezu jedes Mittel recht, uns machtvoll davon zu überzeugen, daß wir uns fortpflanzen, also weitergeben. Wir sollen fruchtbar sein und frohgemut dienen. Die Qualitätskontrolle obliegt dem sogenannten Geschmack. Da spielt Freiheit in den Plan. Je weniger über diesen Plan, der sicherlich ein paar Strickfehler enthält und überdies totalitär ist, nachgedacht wird, desto besser. Der Geist, der des Lebendigen bedarf, da dieses ihn zu tragen hat, stimmt mißmutig ein in dieses Komplott des Lebens. Was bleibt ihm anderes übrig? Ohne Leben kein Geist. So recht gefällt ihm die Nummer nicht, da er ebenfalls herrschsüchtig ist. Er fühlt sich übers Ohr gehauen. Doch das ist die Art des Lebens. Es hat noch jeden verarscht. Deshalb existieren wir, mehr oder weniger dankbar.
Ich fürchte, das ist die ganze Wahrheit. Wie wir ihm dienen, können wir notfalls noch bestimmen. Als abschreckendes Beispiel, als interessantes Experiment, als geistvolle Übertreibung. Ganz gleich, was wir tun, es wird beobachtet, untersucht und bewertet werden. Das Leben kann sich einstellen auf nahezu jede Gegebenheit. Als Individuen sind wir stets unterlegen. Es besiegt uns einzelne durch den Tod. Bis dahin haben wir etwas Zeit, uns über die Geschäfte des Lebens klarzuwerden. Je bewußtloser wir handeln, desto eher erfüllt sich sein Sinn. Das ist brutal. Daher die Götter. Wessen Spiel die aber spielen – kann mir das jemand erklären (und bitte einmal ohne Dogmatik)?
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