Unterhaltung

Manchmal reden Leute mit sich selbst und lassen sich dabei erwischen. Andere reden mit sich selbst, aber es ist ihnen nicht mehr wichtig, falls man sie dabei erwischt. Manchmal rede ich hier mit mir selbst, fällt mir auf. Texte und Tage ist mein Selbstgespräch. Ein Versuch der Vergewisserung, mag sein, des Gegenteils hoffentlich auch. Ich möchte mir nicht allzu sicher sein. Rechthaben liegt mir nicht, obwohl ich es einmal anstrebte. Sofort erinnere mich an die Zeit des argumentativen Messens, als ich zum Beispiel diesen „analytischen Philosophen“ (Student) kennenlernte, der behauptete, Nietzsche sei gar kein Philosoph, sondern lediglich ein, nun ja: Literat. Weil er (N.) Philosophie nicht studiert hatte (sondern Altphilologie), weil er sich nicht an die Regeln hielt (Fachterminologie), weil er keinen Lehrstuhl innehatte? Für meinen Gesprächspartner damals war die Philosophie ein Besteck- und Werkzeugkasten mit beiliegender Gebrauchsanweisung nebst Anwendungsbeispielen. Er wollte loslegen auf der Höhe seines damaligen Hochmuts. Aber es war gut, solche Leute kennenzulernen, immerhin demonstrierten sie mir, was Standesdünkel ist. Ich rede mit mir selbst, und das geht hin und her und selten in eine Richtung. Aber das kann man sich ja denken. Ich lasse mir jedenfalls nicht mehr von irgendwem erzählen, was was ist. Das ist seitdem vorbei. Dabei höre ich gern zu und lerne auch so.


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