Viel Spaß noch bei der Wahrheit

Es gibt Tage, da trete ich vor die Tür und möchte auf der Stelle umdrehen. Nicht hinaus in das da. Das da sind diese Straßen mit den häßlichen Automobilen, deren Gesichter Visagen sind, mit schrägen Augen und weit aufgerissenen Mäulern, breitärschig und brutal auch nach hinten. Das da sind die gepanzerten Fahrzeuge der Zivilisten, die damit kundtun, welche Vorstellungen sie von ihrer Rolle in der civitas hegen und pflegen. Das da sind die zubetonierten Fahrwege mit den Streifen darauf, damit die Fahrzeugführerinnen und Führer wissen, wie sie nach vorn kommen ohne seitwärts anzustoßen. Das da sind die erschöpften Gesichter der Leute, die sich den Berg heraufschleppen – zu Fuß und mit dem Rad. Oder die Gesichter derer unten in der Bahn. Leute ganz ohne Hoffnung, wie mir scheint. Doch ich kann das nicht beurteilen, ganz recht. Vielleicht sehen so freudvolle Menschen aus, wenn sie sich unterwegs tarnen, damit niemand folgt. Ich weiß das nicht, ich will nur über das da reden. Das da ist die Werbung an den Plakatwänden, das da sind die Meldungen im „Berliner Fenster“, auf die ich während der Untergrundfahrt glotze, als erwarte ich eine dringende Nachricht baldiger Offenbarung. Henry Miller schrieb, daß die Welt, wie wir sie kennen (und sie kennt auch uns, denn sie wurde von uns eingerichtet), auf der Stelle explodierte und in Stücke zerspränge, wenn einer, nur ein einziger Mensch sich dazu durchränge, die Wahrheit zu sagen. Ich denke eher, sie würden ihn vorher erschießen.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Viel Spaß noch bei der Wahrheit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert