130 in den Zusammenhang

Das Zitat unten war für mich eine gute Zeitlang überlebenswichtig. Ich erinnere mich lebhaft. Wer bin denn ich angesichts der Größen und Werke, inmitten unverstandener Anspielungen, Bedeutungen und Bezüge? Soll ich da auch noch mitmachen? Und wenn ich mitmachen würde, wie sähe das aus? Worin bestünde mein Beitrag? – Ich komme von Land, aber habe mich eigentlich nie als „Landei“ gefühlt. Das lag an den Städtern, die ich als erstaunlich selbstgefällig und wissensschwach erlebte. Ich kam ja von draußen, aus der Peripherie, aus dörflichen Zusammenhängen, mußte als „Auswärtiger“ mit dem Bus zur Schule fahren, um dort Schulbildung zu genießen, die eines Tages hinter meinen Ansprüchen zurückblieb. So kann es kommen … Seitdem weiß ich nicht mehr, wer zu wem gehört. – Worin bestünde mein Beitrag zu dieser Kultur der Kulturen, und könnte ich eines Tages vielleicht verstehen, was mit diesen Ismen gemeint ist, und nicht vor ihnen mich verneigen (schon aus Trotz)? – Ja, das geht schon. Es braucht Zeit. Zeit heißt: älter werden, lernen, lesen, sprechen, schreiben, zuhören, weghören usw. – Aber Angst soll man nicht haben, nur ein bißchen Respekt ab und an. Respekt macht aufmerksam und geräuschempfindlich, schon hört man zu.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

130 in den Zusammenhang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert