Nicht ganz entkommen dem Pfingstrauschen des Geistes, scheint mir. Es hat mich erwischt. Niemals käme ich auf die Idee, Geist und Leben gegeneinander zu stellen. Sie bedingen einander. Selbst Ludwig Klages – sein Schatten, seine naheliegende Entdeckung, seine Energie (würde man heute sagen) – wollte durch mich noch einmal ins Geschäft. Dabei ist das legitim, wie jeder weiß. Über Themen geraten die Toten ins aktuelle Gespräch. Gut so. Allein mit Lebenden liefe manches prekär. Durch die Lebendigen ruft sich auf, was die Vorfahren umtrieb. So überaus fern sind sie uns nicht. Vor Jahren dachte ich das erste Mal, daß wir heute im wesentlichen noch immer in der Problemlage der Romantiker leben. Deren Aufbegehren liegt mehr als zweihundert Jahre zurück. Na und, schnauzt mich das große Gedächtnis des Abendlandes an. Was denkst du denn, du Eintagsfliege? Denkst du, alles komme jäh, voraussetzungs- und geschichtslos? Idiot! Ich bekenne mich nicht schuldig, ich bin neu hier. Ich weiß das meiste nur aus Erzählungen, ich bin nur aufgeklärt. Halb bin ich unwissend. Sagen wir: ahnungslos. Was will dieses große Gedächtnis von mir? Das große Gedächtnis scheint manchmal zu schlafen. Ich kann demnach machen, was ich möchte. Ich möchte dem Gedächtnis sagen, daß es sich nicht sorgen muß. Das Leben hält sich, auch wenn es manchmal aussehen mag, als laufe es fehl. Es wechselt die Taktik, es verändert die Strategie. Es schmückt sich mit Würde. Doch angewiesen darauf, angewiesen auf solche Zuteilung, nein: angewiesen auf Würde ist es nicht. Die haben andere nötig.
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