Das Schöne an Hollywoodfilmen, die Kasse machen und bemerkens- oder sehenswert sind, ist, daß sie die Themen des Lebens anreißen und darstellen, aber ihnen niemals auf den Grund gehen. Es bleibt bei der Demonstration von Phänomenen, die mittels Haltung und Moral in ihrer Widrigkeit überwindbar erscheinen, wenn auch unter größter Anstrengung. Die sogenannte Traumfabrik stoppt ehrfürchtig oder notgedrungen kurz und abrupt hinter jenen Fragen, die in die Tiefe fassen und die flackernde Mythologie vom verheißenen Land gefährden. Die Fragen sind nicht tabu, bange Selbstbefragung gehört zur rhetorischen Figur der Unvergleichlichkeit. Sie sollen nur anständig beantwortet werden, nicht unamerikanisch. Da die Kulturprodukte eines Landes in erster Linie der „nationalen“ oder gruppenidentifikatorischen Selbstverständigung dienen, ist das nicht sonderlich tadelnswert. Solche Selbstvergewisserungsprogramme vollziehen sämtliche Kino- und Filmnationen. Deutschland denkt seit Jahrzehnten über Liebesbeziehungen, Ausgrenzung und Gewalt nach, Frankreich ebenso: Authentizität wird vorgeführt, Unverstandensein, erwartbares und schablonisiertes Außenseitertum. So werkeln sie filmisch an ihren versehrten Seelen und Idolen und mühen sich vergeblich an einer Wiederkehr oder Neugeburt der Helden. Die fallen nicht vom Himmel, die verkünden kein Programm. Zeit für einen ästhetischen Wind, einen mittelstarken Sturm. Der sollte reichen, wir wollen ja weiter leben oder damit anfangen.
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