Manchmal muß ich nur etwas sagen oder schreiben – und schon ist es weg. Mitgenommen von der Flut, oder der Wind trägt es fort. Deshalb ist es gut, seine Sorgen und Nöte zu notieren. Anders als gedacht, verfestigen sie sich nämlich nicht durch diese „Verdopplung“, sondern werden leichter oder verschwinden ganz. Ein Einwand könnte lauten, daß die Niederschrift das Problem gleichsam verewigt – indem es ihm ein Dokument widmet. Ja, es geht um die Widmung: Zeit, Mühe und Sorgfalt. Es geht um das Opfer. Texte sind Opfergaben, alle Kunst ist Opfergabe. Ein weiterer Einwand könnte lauten, daß es nicht unbedingt nötig ist, einer widrigen Sache dadurch Reputation zu verschaffen, daß man sie eigens noch sprachlich behandelt. Solches Denken stammt wohl eher aus der politischen Sphäre: lieber gar nicht erst wahrgenommen haben, sonst wird es noch wichtig … Aber zurück zum „Wegschreiben“ einer Sorge oder eines bedrückenden Details. Ich mache die Erfahrung, daß ich wohnen kann, wenn ich zuvor geschrieben habe, daß ich es nicht kann. Klingt das seltsam, ist es seltsam? Ich weiß nicht – ich schreibe ja nur auf, was passiert. Anders herum erscheint das Phänomen negativ: Erzähle ich jemandem, was ich schreiben werde (will), wird daraus nichts. Die geäußerte Idee ist tot und läßt sich schwer nur wiederbeleben. Wer glaubt, Sprechen und Schreiben seien nur Kommunikation, weiß nicht sonderlich viel.
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Interessant. Aber Kommunikation bleibt es doch.