Sehe ich die Hauswände empor, die sich wie durchlöcherte Klippen vor mir erheben, erkenne ich darüber einen makellos blauen Himmel, unbefleckt wie … und das Wort „fabrikneu“ gerät mir in den Sinn. Es muß dort in der Nähe herumgelegen haben. Ein fabrikneuer Himmel, soeben ausgespannt und zur Betrachtung freigegeben, der Bewunderung gewiß. O dieses Leben an wärmeren Tagen. Etwas muß sich lichten, dachte ich eben noch, als ich mich mit Milchkaffee, Notizbuch und Kugelschreiber an den Schreibtisch setzte. So beginne ich meinen Tag, und habe noch gar nichts zu sagen. Aber das Schreiben mit der Hand tut so gut. Wochentag, Datum, Ort. Ein erster Satz, über das Wetter oder den Himmel; vielleicht gab es einen Traum (es gab einen); und wie fühlt sich der Kopf an nach gutem Schlaf, wie lautet sein erster Gedanke. Etwas muß sich lichten. Die kalte graue Erdrückung muß aufhören. Sonne in die Herzen. Es gab ja schon gar keine Zuversicht mehr. Mit schlimmen Prognosen schlugen sie auf uns ein und meinten es gut. Wir sollen ja erzogen werden, wir Kinder des Landes und der ganzen Welt. Frag mal die Erzieher, wie gut das klappt. Es haben sich die meisten zurückgezogen, tief in sich selbst hinein. Ob es dort sicher ist? Sie sparen ihre Kräfte, ich tue es doch auch. All dieses Schreiben letzter Monate war abgepreßt und geschah aus Notwehr. Nur um nicht tot zu sein. Etwas Leben sollte sich zeigen, zuckend und verkrampft. War es schlimm? werden sie später fragen. Ist es schlimm? Definiere schlimm! höre ich eine strenge Stimme in meinem Hinterkopf. Ich mag Leute nicht, die so sprechen. Fabrikneu dagegen mag ich – ich denke dann an ein Auto, das im Wageninnern nach neues Auto riecht, oder an eine neue Jeans, noch ganz steif und angenehm rauh. In zwei Wochen kehren die Mauersegler zurück.
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