In der Politik gibt es keine Freunde, und nichts hält auf ewig. Zweckbündnisse bestimmen das Geschehen, aus Freunden können Feinde werden und umgekehrt. Es gilt Opportunität, doch zu offensichtlicher Opportunismus kann sich gegen einen richten. Das Fähnchen im Wind reicht nicht, es sollte eine Fahne sein. Übrigens: wessen Fahne und wofür steht sie? Verdienste werden angerechnet, aber sie gelten nicht auf ewig. Man lebt auf Bewährung. Ist genommen worden, wird gegeben werden müssen. Es mag Gleichgesinnte geben, aber Gesinnung steht nicht über den Interessen. Wer Interessen nicht anerkennt, hat in der Politik nichts verloren. Warum Pizzastücke verteilen, wenn man davon ausgeht, daß niemand Appetit hat? Alte Politiker wirken wie Schildkröten, tausend Jahre alt und blinzelnd. Von Idealen wird man nicht satt, malmen sie in die Kamera und geben es den Jüngeren. Aber ohne Ideale schmeckt das Essen nicht. Dazu geben sie ihr unmerkliches Grinsen, scheinbar aufmunternd und abgrundtief. Wenn die wüßten, sagt ihr Blick. Man erkennt, daß sie ganz und gar uneins sind mit sich, wer die Guten und wer die Bösen gewesen sein sollen oder sind. Alles ging stets um Haaresbreite gut oder schlecht aus. Sie haben Glück gehabt, aber morgen macht ihnen die Geschichte vielleicht den Prozeß. Sie wissen das.
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