So viele Briefe geschrieben – Briefe, Briefe, Briefe. Um mich zu erklären, um mir klar zu werden, um mich auszudrücken. Endlos lange Briefe. Gedanken und Gefühle, Ereignisse und Kleinigkeiten, Lappalien und Dramen. Was habe ich geschrieben!
Man schlug mich auf die Welt ein oder die Welt auf mich – und das ergab Worte. Man kann doch nicht sein Herz aufschneiden und sagen: Sieh nur, dieses Bluten ist mein Gefühl. Man kann sich doch nicht vor die Haustür der Geliebten legen wie ein Hund und winseln. Also nimmt man die Worte und bringt sie zu Papier.
Ich liebe dich ist zu primitiv. Das sagt ja jeder. So verfeinert der Versuch, eine Liebeserklärung hinzubekommen, den Stil. Uuh, wie anstrengend das war …
Verliebte nehmen das auf sich, die können drei Tage und Nächte in Folge durchmaschieren. Ich bin durch halb oder ganz Deutschland getrampt, Autostop, um dort zu sein, wo die Liebe ist. Törichte und richtige Besessenheit. So soll es sein. Ich würde für dich sterben, und nichts an diesem Satz ist zu pathetisch. Alles andere ist pillepalle – das exakt nach dem klingt, was es meint.
Noch immer lese ich nicht die alten Briefe.
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