Müßte ich den Titel eines Gedichtbandes bestimmen, der Gedichte enthält, die ich lesen mag, würde er lauten Ungewisse Rückkehr des Wunders. Daß die Wunder nicht nur zurückkehren, sondern sich ereignen, ist Thema der Kunst, ebenso und vielleicht noch stärker: ihr Ausbleiben oder vermeintliches Fehlen. Das Ungewisse liegt im Zeitlichen und Örtlichen – niemand kann wissen, wann und wo. Es kann sonstwo und sonstwann geschehen, vielleicht ist es bereits geschehen, nur noch nicht bekannt. Was also meine ich mit Wunder? Ein Ereignis, das unvorhersehbar, unvorhersagbar, unkontrollierbar und nicht gewollt werden kann. Es gehorcht nicht den Regeln des Spektakels, aber nach seinem Erscheinen ist alles anders als zuvor. Niemand hat vorher eine Ahnung davon, was kommen mag. Ist es da, weiß jeder, daß es da ist, oder bald darauf. Das Neue daran entzündet. Es ruft Gegenwehr herauf. Das Wunder ist nicht gesichert – es gibt nichts, das für es spricht, vielmehr alles dagegen. Nichts gegen alles – das ist eine gute Ausgangslage.
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