Das Wirklichste in der Welt kann das Unwirklichste werden – für die Nachkriegsdeutschen ist und war das „die Mauer“. Für die Ewigkeit gebaut, unüberwindlich, logisch wie 1+1. Ein Strafprodukt der Geschichte, Hitler büßen durch Teilung und Gebietsabgabe.
Was soll ich demnach halten von politisch unumstößlichen Gewißheiten – da ich nicht einmal vor dem Fall der Mauer an solche Unumstößlichkeit glaubte. Politisch ist ganz und gar nichts unumstößlich, buchstäblich alles kann sich von einem auf den anderen Tag ändern und in sein Gegenteil verkehren.
Desungeachtet wird tagesaktuell gestritten und geglaubt, bei beschränkter Haltbarkeit der Standpunkte und Argumente. Das macht mich staunen und bleibt eine Quelle der Verwunderung für mich, auch des Entsetzens. So wird also tatsächlich der Tageserfahrungsstand in Stellung gebracht, wo man doch wissen kann und wissen könnte, daß sich die Sachlage in wenigen Wochen bereits völlig anders gestaltet? Antwort auf diese Frage: Ja. Sie haben nichts anderes als dieses Fetzchen Wahrheit.
Wie sollen wir denn sonst entscheiden! rudern sie mit den Armen. Warum denn überhaupt entscheiden, was denn entscheiden? Vielleicht ist es eine Zeitlang besser, einmal gar nichts zu entscheiden. Und was heißt denn überhaupt entscheiden, am besten auch noch endgültig? Was soll denn beschieden werden, wer soll denn nach solcher Scheidung auf welche Seite?
Ich war kurz davor, sprachlos zu sein. Unsere Exekutivgewalt fräst hier, getrieben von der vierten Gewalt, Schneisen in die Wälder, daß ich den Rehen im Wald und allen anderen rate, sich in Deckung zu bringen. Wieder einmal mußte eine Entscheidung auf Leben und Tod getroffen werden. Man hört schon – ich bin müde, gelangweilt – und im Winter niedergeschlagen und traurig.
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