Eine Packung Toffifee stand auf dem Tisch vor der Wahlhelferin, die die Wahlscheine aushändigte. Drei waren noch drin. Hinter dem Tisch gegenüber, an dem meine Personalien geprüft und der Eintrag ins Wählerverzeichnis kontrolliert wurde, hingen drei Fahnen: die europäische, die deutsche und die Berlins. Der Wahlschein für die Bundestagswahl kam in eine andere Wahlurne als die Scheine für das Abgeordnetenhaus, die Bezirksverordnetenversammlung und das Volksbegehren. Eine blauweiße Thermoskanne stand heute auf der Straße, sie sah noch gut aus. Gestern war die Wahl, ich hatte Glück, mußte nicht allzu lange warten. Später sahen wir die Berichterstattung auf ARD, ZDF und im RBB, da sagten sie, die Gewählten, wieder diese Sätze, wegen derer man sie am liebsten nicht mehr wählen möchte – sich dann aber zu staatspolitischer Vernunft und demokratischer Gesinnung bekehrt und am Wahltag dafür sorgt, daß man nicht woanders ist oder liebeskrank außerstande, den Weg ins Wahllokal zu schaffen. Draußen und weit weg schreit einer, als sei er kurz davor, jemanden zu töten. Gewiß geben die Nachbarn acht, daß der Streit nicht eskaliert. Manchmal muß man wirklich die Polizei rufen, ich habe das mehrfach erlebt. Ich erinnere mich an den Arzt aus der Wohnung weiter oben (lange her, in einem anderen Haus, in einer anderen Straße), der sich die Hände blutig schlug und kratzte, als er zu ihr wollte, seiner Geliebten oder Nicht-mehr-Geliebten, sie ihn aber nicht einließ. Sie war ebenfalls Ärztin, und die Moral von der Geschichte lautet, daß auch Mediziner verrückt und krank vor Liebe sind, manchmal.
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