Paddeln und steuern

Nächtliche Unruhe. Ziellosigkeit. Ich wollte längst schlafen und schlief doch bereits. Nun wieder wach. Keinem Mond die Schuld geben – der nimmt bereits wieder ab. Mit den Sternen kenne ich mich nicht aus. Der launische Wind ist fort, hat uns genug beunruhigt. Dieser idiotische Wind, fluchte ich im Februar letzten Jahres, als er tagelang um die Häuser und über das Land strich, als suche er etwas Bestimmtes und könne es nicht finden. Ich habe ihn damals, so lange ist das her, hassen gelernt. Dann kamen die Monate mit C, Dystopie-Erfahrung, unwirklich wirklich oder umgekehrt. Alle geben ihr Bestes, beruhige ich mich seitdem, stelle endlose Versuche an, mich an die Situation zu gewöhnen, die jeweils herrscht. Gelingt mir selten. Es kostet mich unendliche Kraft, all die Verrücktheiten abzuwehren, mit denen man an mich tritt. Mir kommt es vor, als sei ich die aufgegebene Mitte der Vernunft und eines unaufgeregten Denkens (trotz der Zustände, in die ich gerate, wenn die Verzweiflung zu sehr nach mir greift). Eine unstatthafte Selbstüberhöhung, ich weiß. Wer Wunden schlägt, denke ich dieser Tage öfter, muß auch eine Idee habe, wie er sie später zu heilen gedenkt. Wer ist denn die Gesellschaft und wer spaltet sie? Ach, reden wir nächstes Jahr oder besser übernächstes Jahr. Bis dahin alles Gute und einen Sinn für die aberwitzige und tragische Schönheit des Lebens.


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