An einer Leiche stehen

Die Bestatter haben sich Mühe gegeben. Es duftet im kalten Raum der Aufbahrung dezent nach Blüten. Die Bodenfliesen sind tritthart und hallend, an der Wand hängt ein Gemälde mit Ewigkeitsmotiv plus Hoffnung. Bäume, das Meer, Steine, Wolken, Gräser, Tropfen. Niemand spricht, eine Todernsthaftigkeit führt Regie. Wird gesprochen, so flüsternd. Majestät könnte hören und sich gestört fühlen. Pietät. Schutzrituale. Der Leichnam, geschmückt wie zur Vermählung, nur die Züge starr und abwesend, eigentlich desinteressiert, liegt wie zum Schlaf, aber die Stirn ist kalt und hart und weiß. Sie sagen wächsern, in der Literatur, ja, wächsern meinetwegen. Was soll man sagen – man kann nichts sagen. Das bist nicht du. Aber da du nun hier liegst, wollen wir dafür sorgen, daß du einen guten Platz erhältst hier auf Erden. Es soll würdig sein, diese Sache mit dem Körper zuende zu bringen, und vielleicht hilft es auch, zuzusehen, wie ein Sarg in die Erde gesenkt wird oder in dosierten Feuerstößen aus metallenen Düsen zu Asche zerfällt.


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