Mein Leben ist eintönig und schön. Morgens duftet der Milchkaffee. Sollten Träume gewärtig sein, notiere ich oder vergesse sie. – Zuletzt sollte ich heiraten, alles sprach dafür. Ich kam zu spät zur Veranstaltung. Auch die Braut fehlte. Ansonsten sah alles echt aus. –
Dann spaziere ich gleich welchen Wetters zur Teststation und lasse mir mit Stäbchen in der Nase bohren. Die Betreiber kennen mich mittlerweile, wir sprechen über Gott und die Welt. Da sie nicht in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, haben sie interessante Gedanken. (Es gab eine Zeit, da hörte ich kaum mehr hin, wenn jemand aus diesem Land mir etwas erzählen wollte. Das klingt schlimm und abweisend, doch ich empfand es so. Als würde man hier gestanzt und entkeimt. – Ich mag darüber genauer schreiben, ein bißchen später als jetzt.)
Wie schafft man es, jeden Tag von früh bis spät Leuten Testproben aus der Nase zu entnehmen, sogar samstags und am Sonntag? Er sagte: Wir beten, wir lachen und wir helfen einander. Das ist die Familie. Seit ich bei diesen lieben Menschen zum Testen gehe, habe ich keine Angst mehr. Vorher dachte ich, sie (all die angelernten und amateurhaft Testenden) bohrten bis an Hirn hinauf und täten mir weh. Quatsch.
Während die Testprobe gerät, fünfzehn Minuten, gehe ich im Viertel spazieren und entdecke die Straßen zur Mittagszeit. (Früher war ich dort meist nachts unterwegs.) Da es kalt ist oder wenigstens kühl, genieße ich die Spannung auf der Haut, auch die Grau- und Blautöne des Himmels, den Blick auf das nahezu menschenleere Tempelhofer Feld – gestern nieselig, vorgestern weit und hell wie sonstwas.
Dann kehre ich zurück zur Teststation und nehme meinen Tagesbescheid entgegen. Alles sauber, sagte sie gestern, und wir wünschten uns einen wunderschönen Tag.
Dann steige ich hinab in den Untergrund und fahre zur Arbeit. Wenn ich nicht zur Arbeit fahre, fahre ich hinaus in die Welt und laufe dort herum.
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