Geisterstunde, Geisterjahre

Eine Freundin von mir sagt, man könne das Verhalten „der Deutschen“ ohnehin nur dämonologisch verstehen und beschreiben, und ich verstehe sie ohne besondere Umstände – nur erkläre der politischen Sphäre einmal die „Dämonologie der Deutschen“! (Kann man das studiere? wo denn? bei wem denn? wieviele Semester? gibt es darauf oder dafür einen Abschluß? werden Dämonologen gebraucht? wie sieht denn das Berufsfeld aus, in dem man als Dämonologin oder Dämonologe arbeiten kann?) Dämonen sind die unbeerdigten oder schlecht unter die Erde gekommenen Toten. Die herumirrenden Geister der Ahnen. Ihr Wissen und ihre Empörung umkreisen die Lebenden aus tausend Geschichten. Sie haben gemordet und geschändet, wurden verflucht oder waren es, zu Recht oder zu Unrecht beschuldigt usw. In der geistigen Sphäre, die uns alle umgreift, ist jede Menge los. Und dann gibt es jene Augenblicke (eigentlich sind es Phasen), da scheinen sich die Dämonen gemeinschaftlich zu erheben und oktroyieren und mobilisieren die Energien des lebendigen Lebens und führen es in den ersehnten Tod. Ein altes und böses Muster rastet ein – in Deutschland sind es Richtigmachen, Gründlichmachen, Zuendebringen. Hinzu kommen Entschlossenheitsgesten und die Einforderung von Opferbereitschaft. Alles für den Sieg usw. Am Ende, nach dem Sieg, wird gestorben sein und das Bedauern nachfolgen. Wer oder was spricht aus mir? Ich bin ebenso Teil dieser Geisterlandschaft und deshalb alarmiert. Andere sind es nicht, aber sie beruhigen mich nicht.


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