Eines der Ideale, die ich vielleicht verfolge, in aller Zurückhaltung, lautet: daß Menschen sich freisprechen können. Frei sprechen und sich freisprechen. Keine Tabus oder möglichst wenige, und wenn Tabus, dann diese bedenkend, respektvoll. Doch die Tabus sollen nicht erwürgen. Tabus deuten auf ein Heiliges oder Unantastbares, und es darf verstanden werden, worin es besteht, sinnvollerweise. Es darf aber ebenso verstanden sein, daß es einen ungebührlichen Teil des Tabus geben mag oder das Tabu in seiner Gesamtheit eher schadet als nutzt. Jeder von uns kennt solche Tabus, und es mag eine Freude sein, sie zu sichten wie alte Bekannte und befremdliche Freunde. Ich denke, daß wir an unseren Tabus hängen und haften, denn sie markieren ein umgekehrt Heiliges, scheinen auf ein Großes zu verweisen, selbst in unserer Zeit. Entsprechend die Versuche, jederzeit neue Tabus zu errichten, Schutzzonen der Unbefragbarkeit. Doch ein echtes Tabu hält jede Art der Befragung aus, ein falsches stürzt in sich zusammen nach der ersten Frage.
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