Krise und Kritik

Es gibt kaum befreiendes Denken. Das zeitgenössische Denken, sofern es Verbreitung findet und aus autorisierten Quellen stammt, handelt von Zwang und der Rechtfertigung definierter „Maßnahmen“ in Krisenzusammenhängen. Solch dienendes Denken hat Maß genommen und erklärt mühevoll seine neuen Maßstäbe. Die Sprache solcher Erklärungen ist zeitgemäß und bedient die weltanschaulich „progressiven“ Lager. Mit Zwang und unter Androhung von Sanktionen in eine gute Zukunft. Botschaft: Nicht alle können mit. Eine unverhohlene Aufforderung, sich zeitig zur „Verantwortung“ zu bekehren. Verantwortung ist in der Sprache der Politik ein Synonym für Macht. Solidarität kann nur freiwillig erbracht werden – nun wird sie gefordert. Ein befreiendes Denken müßte sich zunächst selbst helfen. Als befreites Denken ließe sich von ihm einiges erhoffen. (Die Überschrift dieses Eintrags soll erinnern an: Reinhart Koselleck: Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt [1959].)


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