Bratensaft und Hähnchenschenkel

An Tischen mit essenden Menschen vorbei. Außenbestuhlung auf dem Gehweg, Sommerabendmahlzeit im Restaurant. Ich sehe auf den Tellern, was sie, und schaue auf die Münder, wie sie essen. Würde es einmal knapp werden, bräche das Raubtier durch. Bereits so sieht man genug. Daß Menschen gemeinsam essen können, ist von hohem zivilisatorischen Rang. Ausgerechnet beim Fressen, wo es um Überleben und Tod geht, friedlich beieinander zu sein, gesittet am Tisch zu sitzen und die zugeteilte Portion akzeptieren, obgleich der eigene Hunger auch die des Sitznachbarn an sich reißen wollte – das ist viel verlangt und kann erfüllt werden nur durch jahrelange Affektkontrolle und die soziale Belohnung defensiven Begehrens. Dies zu erkennen und zu verstehen sehen wir Tierfilme. Das Löwenrudel bei der Mahlzeit. Menschsein wird erlernt. Man kann es verlernen, wenn man muß.


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