Anti-Kannibalismus

Wie sich ein einzelner Mensch davor schützt, vereinnahmt, gedrillt, eingemeindet, vergesellschaftet, verspeist zu werden – das interessiert mich. Ich nenne es Selbstschutz. Manchmal werden „die Asiaten“ dafür bewundert, daß sie sich der Gemeinschaft unterzuordnen verstehen, während wir, die westlichen Egoisten, unsere je eigenen Interessen über die gemeinsamen stellen. Das ergibt in zweifacher Hinsicht ein schräges Bild. Zum einen das des verwischten kulturellen Unterschieds – zur Erinnerung: Kultur ist, wie wir machen, was wir machen – zum anderen das einer Verwechslung von Gemeinschaft und Gesellschaft. Die Wir-Zusammenhänge der Gesellschaft wurden hierzulande in der Vergangenheit regelmäßig zurückgewiesen, der Begriff Gemeinschaft erinnerte an Volksgemeinschaft, mithin an die Nazis. Nun ja. Gemeinschaft kann man nicht befehlen. Sie ergibt sich, indem man lebt. Ich beharre – ein wenig störrisch vielleicht – auf dem Individuum und seinen Rechten, da ich nicht zu erkennen vermag, inwieweit die kommerziellen Gemeinschaftsangebote unserer neueren Zeit in irgendeiner Weise helfen könnten, helfend und heilend zur wirken, und zwar – das ist entscheidend – ohne daß eine dritte Macht davon (von der Not des einzelnen) profitiert. Ob das Ich eine Erfindung des Abendlandes ist, sei dahingestellt. Dem sogenannten Ich könnte man Ausstellungen widmen bis ans Ende des Jahrzehnts.


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