Auf der Insel

Ein schöner Ort, nur daß dort stets nur zu warten oder zu verlassen ist: die Bahnsteiginsel zwischen den Gleisen und ihren Richtungen. Eigentlich ähnelt sie mit ihren Aufbauten, Bug und Heck eher einem Schiff, nur daß sie sich nicht bewegen kann. Manchmal gehe ich bis ans Ende der Insel und blicke über das Gleisbett in die Ferne des Kommens und Verschwindens und denke an gar nichts. Das ist wohltuend. Ich warte dann nicht, ich träume. Unter den Sohlen knirscht das ausgestreute Granulat. Da stehen Schilder und Signale, die ich nicht verstehe. Auch das ist angenehm. Der Zugang zu den Gleisen ist versperrt: ein Geländer, ein Durchgang, eine Absperrkette. Vielleicht steht da noch ein gemauertes Häuschen, in dem Elektrotechnik steckt. Manchmal funkeln die Gleise in der Abendsonne. Kommt die Bahn, nähert sie sich wie eine Lichtraupe und macht sehr schnell halt. Dann ist diese Behäbigkeit zu spüren, die ganze Masse und Schwere des Zugs, dessen Türen sich öffnen wie in Zeitlupe, und aus dem Innern kommen Leute heraus, die Schlafwandlern ähneln oder lebensecht nachgegebildeten Figuren, die Menschen abgeben sollen in jenem Spiel, das aufgeführt wird und bei dem hin und wieder einmal jemand zusehen sollte, auch applaudieren, damit nicht alles umsonst ist.


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