Konzertbesprechung, Bob Dylan in Berlin, Fortsetzung der never ending tour. Einige Besucher verlassen den Konzertsaal, weil der Sänger ihr Nostalgiebedürfnis nicht stillt. Seltsame Besucher – das hat er doch noch nie getan. Vielleicht hat sich der Kritiker auch vertan, vielleicht gingen sie nur nach hinten, um neues Bier zu holen. Dylan zerspielt die Songs, präsentiert eine jeweils aktuelle Fassung, arbeitet am Nichtwiedererkennungswert. So entgeht er der Erwartungsfalle, in die die meisten seiner Künstlerkollegen derart arglos tappen, daß sie nicht einmal merken, wie sie die Kontrolle des Spiels mehr und mehr aus der Hand geben – ans Publikum, ans Management, an den Betrieb. Vor allem an jenes Gute und Liebe im eigenen Wesen, das sich freut, wenn die anderen sich freuen. So wenden sich die Dinge in ihr Gegenteil. Sie tun dies unaufhörlich, und deshalb ist es gut, wach und aufmerksam zu sein und ganz im Augenblick. Schnell genug erfaßt einen der große und breite Strom und trägt fort.
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