Im Schlauchboot zum Kap der guten Hoffnung

Ich fahre gern mit Bussen und Bahnen, weil ich dort fremde Menschen beobachten kann. Ich gehe gern in Kaffeehäuser und Kneipen, weil dort fremde Menschen ein und aus gehen. Ich liebe das göttliche Spiel des Zufalls und vertraue auf die Begegnungen, die es mir beschert, mir gestattet. Ob ich an den Zufall glaube? Was für eine alberne Frage. Glaubt der Zufall denn an mich? Ich muß das nicht beantworten wollen, ich verfolge meine für mich interessanten Operationen in Zeit und Raum auch ohne Zustimmung der Kommission zur Einschätzung legitimer Motivationen und statthaften Verhaltens. In welche Albernheit sind wir geraten, wenn wir dauernd um Erlaubnis ersuchen … Dürfen wir jetzt noch an ein Schicksal glauben? Darf ich jetzt noch ein Horoskop lesen? Darf ich Esoterik interessant finden, auch wenn die Wissenschaft das verbietet? Darauf schnell ein Tarot-Deck, ein I Ging, einen Kaffeesatz, einen Würfelwurf, einen Hexentanz in alle statthaften und unstatthaften Richtungen des unfaßbar gewaltigen Universums, in dem wir klein und schön herumeiern und uns zu orientieren versuchen anhand erlernter und halbwegs verläßlicher Formate. Nur zu, Fahrensleute des Seins. Es gibt zunächst einmal nur dieses eine göttliche Leben, schändlich auch manchmal und verdreckt. Aber besser als nichts. Fahren wir zur See in Bussen und Bahnen und entern wir die Kneipen und Kaschemmen der endlosen Wüstenei des Sinnsuchens und Findens und Verwerfens und vergessen wir das Lachen nicht, laut und in alle Richtungen, damit wir uns später nicht zu schämen haben.


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