Gut, einmal draußen zu sein: draußen liegt auf dem Land. Drinnen ist: in der Stadt – in ihr geborgen und befangen, beides zugleich. Deshalb ist es hilfreich (und vielleicht auch befreiend), hin und wieder aufs Land zu reisen und Sichtungen vorzunehmen, wenn auch nebenbei und ungezielt, absichtslos sogar. Ich fahre nicht irgendwohin und fülle mir mein zuvor gerastertes Weltbild mit ästhetischen oder moralischen Details. Eher streune ich herum und bemerke dies und jenes; das strengt nicht an, das geschieht wie von selbst.
Bin ich zurück, werde ich Stück für Stück oder Bild für Bild verstehen lernen, was ich gesehen und erlebt habe. Viel Landschaft ist dort draußen, eine ausgedehnte Weite mit viel Platz für Pflanzen, Tiere und Menschen. Über der norddeutschen Tiefebene liegt der Himmel wie eine unabsehbare Decke aus geflockten Wolken und blauem oder grauem Grundton. Man kann in ihr einsam sein und sich verlassen fühlen, durchnäßt von Schwermut. Zeiten kommen und gehen, wie die Wolken auf dem veränderlichen Himmel. Kinder werden geboren, die Alten sterben und machen Platz. Noch mehr Platz für neues Leben, das nicht kommt.
Pappeln und Weiden. Gräben und Furchen, Feldwege und Senken. Landwirtschaftliche Nutzflächen von der Ausdehnung einer Wüste oder eines Monokulturparks. Hier wächst nur eins und nichts anderes. Zum Glück ein paar Untiefen, da schimmert Wasser, da stehen ein paar Kraniche und halten Rast, bevor es losgeht zum großen Flug. Sie fressen sich den Wanst voll, sonst schaffen sie es nicht. In der Lüneburger Heide führen sie die Lüneburger Heide vor: mit Heidschnucken, Bienenhonig, reetgedeckten Bauernhäusern, Heidekraut, Wacholderbüschen, Birken, Kiefern, Parkplätzen und Kutschfahrten. Hermann Löns, die Heide brennt.
Zurück in Berlin zu sein wirkt nach stundenlanger Deutschlandticketnahverkehrerlebnisfahrt seltsam beruhigend: kurze Distanzen, schnelle Überbrückungen des Raums, eine Menge Leute unterwegs, niemand wichtig, niemand unwichtig, genauso da wie ich. Großstadt macht individuell unwichtig. Ich werde nicht inspiziert, nicht befragt, wenig oder nicht bemerkt. Ich schlüpfe durch alles hindurch, durch Menschen und Gegenstände und Räume, schließe die Tür auf zu meinem Versteck und schreibe sofort diesen Text. Der ist hingestellt wie der Rucksack, der neben meinen Beinen steht und ausgepackt sein soll.
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