Wenn ich früher so ganz und gar entgeistert war und mir schien, niemand sei mehr da, der ausdrücken könne, was doch offenkundig und zum Schreien deutlich sei, stellte ich mir unbekannte Freunde oder Verbündete vor, die zeitgleich in Büchern forschten oder nachts am Tisch noch saßen und notierten, was Sache ist. Sache ist das Problem, um das wir kreisen und das mit jeder weiteren Umkreisung heilig und unberührbar gesprochen und umtanzt wird. Und dieses Problem wächst sich aus zu einem Dämon von fürchterlicher Macht und einer an Aberwitz rührenden Hohlheit. Durch Widerspruch nährt es sich ebenso wie durch Zuspruch. Die Namen, die diesem aufgeblasenen Mittelpunkt gegeben werden, perlen ab an dessen abwaschbarer und farbenwechselnder Außenhaut. Dieses Problem, dieser Geist ist personal und material niemand. Man faßt hindurch. Es ist kein Wesen. Manche nennen es System. Ja: ein System wird es besitzen. Es ist ungemütlich, wenn man nicht weiß, wen man durch Haß oder Liebe verehrt.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.