Wer jung ist, will kämpfen. Wer Kampf will, braucht Bekenntnis. Bekenntnis bedeutet Widmung. Sich widmen heißt sich einer Sache verschreiben. Diese Sache zu einer siegreichen machen bis zum Triumph. In die Geschichte eingehen als einer der Helden. Opfermut und Risikokalkül. Zu den Bekenntnissen die Parolen. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, setzt sich zur Wehr. Leiden macht kritisch. Schmerz als Grundton des Empfindens. Verzweiflung als Bedrohung, die befreiende Tat als Erlösungsgeste. Anschließend sonstwas, meist das Schlimmste. Aus solcher Skizze lassen sich Epen zusammenzimmern, genauso wie Geschichten von Schmach und Selbstüberschätzung. Die Sehnsucht, wie ein Pfeil auf ein Ziel hin gespannt zu sein, und es fehlt nur noch das auslösende Moment. – Ich bin nicht jung, ich will nicht kämpfen müssen. Ich beobachte, was geschieht, und versuche zu verstehen, was die Leute fühlen, denken, sagen, schreiben, tun. Ich befinde mich in einem Alter, mag sein, das davon handelt, die Wirklichkeit deutlicher zu sehen und etwas umfassender zu verstehen, als mir dies früher möglich war. Dazu benötige ich Distanz.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.