Man sitzt herum und blickt gedankenverloren aus dem Fenster, da plötzlich spricht einen jemand an, und augenblicklich und unmißverständlich wird deutlich, daß man selbst gemeint zu sein scheint, nicht ein anderer. Das gibt zu denken. So beruht Identität auf mehrererlei: Selbstähnlichkeit, Wiedererkennbarkeit, Konstanz und Kontinuität, Adressierbarkeit, Überprüfbarkeit, Integration widerstreitender Merkmale. Ich ist ein Bekenntnis zur Person. Muß ich andauernd Ich sein? Deshalb gehen einige auf Reisen, um herauszufinden, ob sie das dort und woanders noch müssen. Man versteht die Gemütskranken darin, daß sie durcheinander geraten sind innerhalb und außerhalb der Ich-Koordinaten. „Du hast gar kein Recht, ich zu sagen!“ tönte einstmals der Säufergeneral. Ihm schien es so, als sei das Ich eine Auszeichnung für besondere Verdienste.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.