Wenn es um die Verteidigung des Lebens geht, wie es ist (nicht, wie es sein sollte), kann ich zuweilen durchaus rabiat werden. Eine Welt ohne Krankheiten, Kriege, Hungersnöte und Naturkatastrophen mag angenehm sein. Wenn niemand mehr stirbt, sollte aber auch keiner mehr geboren werden. – Da möchten aber eine Menge Seelen das etwas schräge Vergnügen, körperlich auf Erden zu wandeln, mit uns, die wir jetzt leben, teilen. Einige Seelen sind auch schon sterbensmüde. – Wären endlich alle glücklich, und sei es auf diese etwas platte Art, die sich einflußreiche Denker im 18. und 19. Jahrhundert ausdachten und damit ganze Landstriche und deren Lebensausrichtung für die nächsten dreihundert Jahre bestimmten, mit dem Ergebnis, daß die Unglücklichen sich dort noch unglücklicher fühlen, während die happy few eifersüchtig darüber wachen, daß ihnen niemand in den Garten guckt; wären also endlich alle glücklich, wäre es niemand mehr und das Wort seines Sinns beraubt. Es gäbe keine Glückssucher oder -ritter, nur noch fidele Hobbits.
Ich möchte keine andere Welt und kein anderes Leben. Die Liste meiner Verbesserungsvorschläge ist zwar endlos lang, doch bin ich froh, daß das Größte und Ganze, in dem wir uns bewegen, sich um meine oder unsere dilettantischen Versuche, „alles gut“ zu machen, nicht schert. Was aufsteigt, muß fallen. Was fällt, wird steigen. Der eben noch lachte, braucht morgen Trost. (Gryphius grüßen.) Ich weiß nicht, was als nächstes kommt, aber ich muß es tragen und daran wachsen. Ich unterstelle, daß ich meistens nicht einmal weiß, was gut ist. Ich denke mir etwas zusammen, manchmal halbwegs systematisch, manchmal aus dem Bauch heraus und emphatisch. Ich fühle eine Menge und kann hassen, verachten, bedauern, beklagen, bemitleiden usw. Ich kann kämpfen und mich verausgaben, doch ich kann nicht die großen Regeln ändern. Wie sehr mich das beruhigt! Ich ginge zugrunde …
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