Politische Depressionen 3

Wenig mobilisiert derart wie eine Depression. Dies sei sogleich angefügt, denn es wird überraschen. Eine Depression ist aufgestaute Handlung, ein blockierter Handlungsvollzug. Depression handelt immer von Hilflosigkeit, das habe ich gelernt. Hilflosigkeit ist der Zustand des Nicht-wissen-wie oder des Nicht-wissen-was oder des Nicht-wissen-wodurch. In solcher Hilflosigkeit gefangen, beobachten wir (wir sind sehe viele) den Fortgang der Dinge. Die Dinge – wenn man doch wüßte, wer die eigentlich sind. Endlich entstehen Konstellationen – sie erscheinen wie Plastiken – die festgefügt wirken, zuvor aber etabliert worden sind. Nicht nur meistens, sondern immer durch Worte und also Sätze. Sätze sind Setzungen, man darf das verstehen. Die Machtleute sind schneller als wir, sie besetzen die Sprache und führen bewußt Sprechweisen ein. Wir Gelähmten oder Erstaunten oder Unausgeschlafenen oder anderweitig Beschäftigten staunen nicht schlecht, daß die Fertigteile wie beim Messebau bereits stehen. Schon kommen die potenten Leute und bewegen sich Geschäfte machend zwischen den Sprachkulissen. Das nennt sich dann auch Wirklichkeit. (Ich will kein Wir ergaunern. Wer anders bemerkt, sieht, hört, denkt – kein Problem. Willkommen in den Diskursen.)


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