Texte und Tage ist kein privates Tagebuch. Die Texte, die hier erscheinen, sind inspiriert von Tagesgeschehnissen, Begegnungen, Träumen und Alpträumen, Halluzinationen, Visionen, Wirklichkeiten und Möglichkeiten, Denkbarkeiten und Vorstellungen, Befürchtungen und zaghaften Hoffnungen. Hier kann man nicht einszueins auftauchen, nicht einmal ich selbst. Ich spiele hier nicht nackter Mann und offenbare mich vor der „Weltöffentlichkeit“. Das Künstlerische, sofern es einspielt, ist niemals allein autobiographisch, sondern zugleich schon verallgemeinernd und überindividuell. In diesen Texten an den Tagen, da ich eintrage, ist der Logbuchschreiber ein Mensch meines Namens in meinem Namen. Ich autorisiere, was er hier treibt. Ob wir zugleich einer Meinung sein müssen? Nicht zwingend, und was sind schon Meinungen. Nicht selten schäme ich mich seiner tags darauf – und bin stolz auf ihn aus der Nachbetrachtung von einigen Monaten oder Jahren. Wer ein solches Logbuch schreibt, muß unerschrocken sein und darf sich nicht fürchten vor „Ich-Dissoziation“, sie vielmehr bejahen und die Gefahr auf ihrem Weg begleiten . Ich bin einige und halte sie konstruktiv beieinander. Feigheit verzeihe ich mir schwer. Man verglich mich bereits mit einer Harpyie. Das ist der Ehre zuviel.
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