Derweil die Armen sparen

Sonntag, Sonnentag. Durch den Raum fliegt ein großer Brummer, eine lärmende Fliege, die nicht leise fliegen kann. Draußen steht der Sommer wie eine Bank. Kaum etwas regt sich, scheint es. Der große Mittag, der lange Nachmittag, selbst die Kinder sind ruhig. Die Vögel zwitschern. Noch äußern sie sich, doch im Juli folgt das große Schweigen. Ihre Arbeit ist dann getan, die Kleinen sind flügge, man macht nicht mehr auf sich aufmerksam. Erst nächstes Jahr wieder, wenn der Lebenszyklus erneut beginnt mit Paarung, Nestbau, Brut. Ich bin heute aufgewacht mit Gedanken daran, wie unreif und unweise wir wirtschaften. Nicht wir persönlich, sondern die Großeinheiten, in denen wir leben und arbeiten. Doch ist das bereits tausendmal bemerkt und moniert worden, daß ich müde bin, es zu wiederholen. Ich denke nur hin und wieder an die „Nachwelt“, jene also, die uns folgen und sich fragen werden, wie wir „damals“ (jetzt) gelebt und gedacht haben müssen. Wir werden ihnen rätselhaft erscheinen, wie traurige Wahnsinnige, die alles verprassen und sorgsam darauf achten, daß auch wirklich alles verschwendet und vernichtet wird: Ressourcen, Lebenschancen, Talente, Menschen und Tiere. Wir lernen derweil, daß es beim Wirtschaften um Werte und nachhaltiges Haushalten geht. Doch wir lassen um die schönen Werte spielen. Man spielt um Haus und Hof, doch wer stellt denen, die das tun, die Lizenz aus? Es ist erlaubt, es ist erwünscht. Wir wissen es und können vorerst wenig dagegen tun. Gefangene eines albernen Schauspiels, in dem wir ebenfalls den Affen machen sollen. Den Affen machen – wir wissen, wie das geht: sich gut verkaufen können, sich selbst als Produkt anbieten, sich selbst vermarkten, die Konkurrenz ausschalten, gewinnbringend agieren, investieren, Karriere planen und machen, ehrgeizig sein, bis man grün anläuft, nachts im Bett liegen und schluchzen. Immer noch einsam, wie mein Freund Lothar sagen würde. Wer diesem beschleunigten und aufgepumpten Wahnsinn entrinnen möchte, lebt am besten bedürfnislos am Rande und sieht zu, daß nicht eines Tages die Füße anfangen zu qualmen.


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