Was läßt sich aus der Geschichte lernen, wird recht brav und angenehm gefragt. Was könnte ein Wissender, den die Weisheit streift, antworten? Vermutlich doch dies: Alles und nichts. Wie stets kommt es auf den an, der schaut. Wer ein ehemaliges Konzentrationslager besucht, um anschließend zu wissen, daß Nazis doof sind, hat ein Geringes verstanden. Was dachten und empfanden die Leute damals, die dort arbeiteten oder ihren Dienst versahen? In Ravensbrück, nicht weit von Fürstenberg, neunzig Kilometer zu Berlin. Vermutlich doch wohl dies: Es ist, wie es ist. / Zum Glück habe ich Arbeit. Besser als an die Front geschickt zu werden. / Meine Kameraden sind noch viel schlimmer. / Geschieht denen recht, warum sind sie nicht auf unserer Seite, sollen sie sich nicht wundern. Die Sadisten bilden ein eigenes Fach. Man hat über die Banalität des Bösen philosophiert. Banalität ist Alltäglichkeit, also alltägliche Wiederkehr des Bekannten, das als verstanden, jedenfalls etabliert, also stabil, also herrschaftsgebend vorausgesetzt ist. Ein Tag wie der andere, nur eben brutal. Doch Gewalt, die ist doch überall, nicht.
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