Zurück in der großen Stadt, hier herumstreifend wie ein Besucher. Von dort, wo ich war, habe ich mitgenommen den Blick derer, die, was sie sehen, nicht kennen und deshalb anders schauen: suchender vielleicht, sehnsüchtiger mag sein, fragender ganz sicher. Was ist das hier? Wo bin ich? Es ist abermals ein heißer Tag, man geht langsam und vermeidet ausufernde Bewegungen oder Gefühlsaufwallungen. Ein Taschenbuch-Alexis-Sorbas soll mich nächster Tage begleiten, ich erkunde meine Stadt. Sie ist nicht meine Stadt, sie gehört mir nicht. Ich gehöre nicht ihr. Auch die Vertrautheit mag täuschen, ich fühlte mich hier fremd bis zur Ausgestoßenheit. Das merkt sich. Auf der Weserstraße kommen mir zwei jüngere Leute entgegen, eine Frau und ein Mann, sie sehen aus wie ein Mädchen und ein Junge, wenngleich sie dreißig Jahre alt sein mögen oder fünfundreißig. Sie sagt: „Ungeimpft und …“ Er vollendet: „Ungeimpft und weiß.“ Schon sind sie fort, und ich weiß nicht, wen sie vor Augen haben für dieses Zwei-Merkmale-Portrait. Weiß waren auch sie, jedenfalls hellhäutig.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.