Freundlichkeit

Ein kleiner Fauxpas läßt mich an Freundlichkeit denken. Sie ist wertvoll und eine der kostbaren Tugenden. In Deutschland ist sie unterschätzt, denn es existiert ein Kult sogenannter Authentizität, demzufolge man nichts zu verschenken hat und seine Übellaunigkeit auf die Straße und unter die Mitmenschen lassen darf. (Ich bin, wie ich bin. Friß oder stirb. Dann schau halt woanders hin. Für euch verstelle ich mich nicht.) Bekannt ist auch die Unterstellung, jemand sei freundlich nur aus einem Grund, dem nämlich, vom Adressaten seiner falschen Freundlichkeit etwas zu wollen. Oder diese: Man sei freundlich, um sich anzudienen oder auch bloß, um zu gefallen. (Wem eigentlich und wozu?) So wird der Freundlichkeit eine Zweckbestimmung angeheftet, von der sie sich erst wieder zu erholen hat. Auch durch gründlicheres Nachdenken und tieferes Einfühlen. Freundlichkeit verzaubert das Leben. Der Ton macht die Musik. Wenn du etwas zu sagen hast, sag es schön. Vielleicht kann ich es dann leichter annehmen. In der Freundlichkeit scheint die Verbundenheit aller Lebewesen auf, die sich im Gegeneinander nur zermürben würden und es übrigens eifrig tun.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Freundlichkeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert