Freistunde

Als Schulkind wartete ich im Büro meines Vaters, bis der Schulbus mich aus der Kreisstadt zurück in unser kleines Dorf brachte. Ich saß am Fenster und blickte von dort auf eine Hauswand, hinter der sich Arztpraxen befanden. Ich saß auf einem Stuhl und las in einem Buch oder blätterte in meinen Heften. Ich mußte mich still verhalten, denn mein Vater hatte zu tun. Er bearbeitete Akten, telephonierte oder sprach in ein Diktaphon. Manchmal klopfte es an der Tür und ein Kollege steckte den Kopf herein. Diese oder jene Frage wurde gestellt, manchmal ging es auch um Klatsch. Wer mit wem und wer zu wem was gesagt haben sollte. Mein Vater haßte solche Unterbrechungen und hielt sie kurz. Ich bekam ein aufmunterndes Lächeln und wurde rechtzeitig zur Bushaltestelle geschickt. Wir würden uns zur Kaffeezeit zuhause wiedersehen. Daß er es dort aushielt, in solchem Büro bei solcher Arbeit, verwunderte mich jedes Mal neu. War ich stolz auf ihn? Ja, ich war es wohl. Doch niemals würde ich in einem solchen oder auch nur ähnlichen Büro arbeiten können, das wußte ich, eigenartig vielleicht, obwohl ich erst Fünftkläßler war, also noch fast gar nichts wissen konnte.


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