Sich ein Loch graben, in das man paßt

Jemand stirbt, hat sein Alter erreicht. Jetzt weiß man es, vorher hat man es sich gedacht. Nachrufe sind fällig. Wer war dieser Tote, der zuvor noch atmete und sprach und essen mochte und dies und das verlangte? Wohin fliegt die Seele, wenn es eine gibt? Wenn es keine gibt, dann verendet mit der Materie auch der Geist. Wäre das schlimm? Schlimm ist es, zu vegetieren und nichts zu spüren, das einen trägt oder hält oder sinnvoll leitet. Wozu bin ich denn da! schreit es laut aus jedem, der disloziert lebt und dort zu leben versucht, und alles rebelliert gegen solche Art von Nicht-Existenz. Und an jeder dieser Bedürfnisstellen können unbefugte Mächte ansetzen und einen verführen. In solchem Risiko leben wir und machen täglich weiter. Das ist richtig so, denn die Kapitulation wäre der Selbstmord. Man kann sich und darf sich töten, da widerspreche ich den Geboten. Doch nicht zu früh, nicht zu überhastet. Man weiß nicht, was hinter der nächsten Biegung des Flusses auftaucht; man kann nicht wissen, was der morgige Tag beschert. Bin ich denn hier fertig? läßt sich hin und wieder fragen. Ich war bereits einige Male davon überzeugt, solches behaupten zu dürfen. Dann geriet ich in Bedrängnis, und ich rebellierte. Das war ein Weckruf. Ich werde noch gebraucht. Das tröstet.


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