In den Idiotien

Eine natürliche Scheu läßt mich regelmäßig davor zurückschrecken, über Politisches zu schreiben und zu sprechen. Sie erscheint mir natürlich, da ich weiß, daß das Politische die Sphäre des Streits und der Interessenkonflikte ist, der Austragungsort des Kampfes zwischen Trennendem und Verbindendem in einer Gesellschaft von Menschen. Politik ist relativ. Ich mag es absolut. Umso mehr erkenne ich im Politischen die Versuche zur Verabsolutierung (kein schönes Wort, kein schöner Inhalt) eines tages- oder wochenaktuellen Standpunkts. Das grenzt ans Lächerliche und zieht Mitleid auf sich. Leben ist ein dynamischer Prozeß, auch morgen werden erneut Gewißheiten sterben. Andererseits quillt das Politische derzeit über und schlabbert und wabbelt durch die Räume wie Slime, diese Knetmasse, mit der Kinder experimentieren, Furzgeräusche erzeugen oder den ganzen Schmodder an die Wand klatschen. Politik ist überall, und uneingestanden beten, also bitten die Menschen, daß diese ängstigende Politik sich wieder legt und es einen Alltag geben wird, in dem sie nicht mehr bestimmend ist. Frommer Wunsch. Wo Spannungen sich aufbauen, kommt es zu Entladungen. Ich möchte über die Mondsichel schreiben, die schnittbereit am Himmel hängt. Großer Gott, was tun wir hier?


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

In den Idiotien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert