Dauert nicht mehr lange

Wir kommen aus angespannter Zeit und überleben in ihr. Der Druck ist immens. Zugleich wird seitens der Lautsprecher und Verteiler betont werden, daß das, was erlebt und erlitten wird, normal sei. Das neue Normal lernten wir während der Corona-Affäre ausgiebig kennen. Selten so gestaunt. Schon lernen wir die Zeitenwende kennen und erweisen uns neuerlich als schwingungsfähig. Ich wiedererkenne das Wort, es wurde einstmals von jenen gebraucht, denen es nicht gefiel, daß man „vor Christi Geburt“ sagte, wenn es meinetwegen um das Jahr 44 ging. Sie schrieben dann überzeugt und unbeirrt, Gaius Iulius Caesar sei 44 vor der Zeitenwende gestorben. Wem’s gefällt. Wieso im Umkreis des einstmaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz jemand auf die Idee kam, ausgerechnet eine Zeitenwende auszurufen, nur weil man informationstaktisch umdisponieren mußte und außenpolitisch erkennbar desorientiert war, werden die Zeitgeschichtler herauszufinden haben. Doppelwums hat immerhin Aussicht auf den Infantilitätspreis. Meine Frage geht in andere und weniger getösige Gefilde: Wann sprechen wir wieder miteinander, als seien wir Menschen, als könnten wir uns uns benehmen, als müßten wir uns nicht verunglimpfen oder haßerfüllt anschreien?

Auf solche Weise werden Ein- und Anpassungsübungen vorgenommen. – Dieser Satz stand am Ende des obigen Textes, hätte gelöscht sein sollen. Nun hat er es geschafft, doch noch durchzukommen. Ich lasse ihn gern hier stehen oder liegen. Texte sind Gewebe, auf gewisse Weise auch Wesenheiten. Seltsame Angelegenheiten. Manchmal erschauere ich.


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