Grenzen eines Bildes 3

Ich hätte ja alle Jahre mitfliegen wollen mit den Wildgänsen. Ich bin nach Nils Holgersson benannt, das hat Folgen. (Es grenzte ja an Unsinn, hätte es das nicht.) Ich höre sie jedes Frühjahr und jeden Herbst und laufe sofort hinaus ins Freie, um sie dort oben ziehen zu sehen, meine unerreichbaren Vorbilder. Wildgans, nicht Hausgans. Doch ich saß hier letzter Jahre unbehaglich fest, angekettet an meine Zeitgenossenschaft, die ein übles Geschäft geworden ist. Ich verbringe ganze Tage damit, zurück in meine eigene Mitte zu irren, und finde sie manchmal nicht. Das heißt: ausquartiert zu leben. Wäre in mich eine Kompaßnadel operiert, würde sie unaufhörlich zittern und zappeln. Mächtige Magnete werden dort draußen vorbeigezogen, und das hört einstweilen nicht auf. Seit ich denken kann, weiß ich, wer was von mir will. Wer – was – von mir – will. Geht es nicht mehr nur mir allein, ich bin das gewohnt, sondern um mich herum nahezu allen Leuten schlecht, gerate ich endlich an die Grenze dessen, was ich hinzunehmen bereit bin. Ich weiß: Wir sitzen nicht mehr fest, wenn wir begreifen, weshalb wir festsitzen. Heute hat sich der Himmel geöffnet, ich fange also schon mal damit an, mit meinen ungenutzten, aber sicher nicht unnützen Flügeln zu schlagen. Da schwirren ein paar Federn herum, das paßt schon.


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