Stahlhelm im Hühnerhof

Leute können töten, weil sie nichts voneinander wissen. Sie töten den anderen als ein Nichts, ein feindliches Irgendwas ohne erreichbare Bedeutung oder Geltung. Daß die, die töten, nichts von denen wissen, die sie töten, ist Teil des Programms. Man nennt das Ausbildung. Auch solche Bildung wird vorgenommen, in jeder Armee oder Anti-Armee, in jeder Truppe. So läuft das. Deshalb bedarf es der Regeln. Sie sollten in jeder regulären Truppe verbindlich sein. Dann gibt es die Sonderkommandos, von denen niemand irgendwas weiß. Die finden in den Spielfilmen statt. Das Publikum staunt. Dort, in den Filmen, ballern sie dauernd. So gewöhnt man sich daran und greift in die Chipstüte. Ein Problem während der laufenden Kriege: daß die verfeindeten Soldaten sich fraternisieren, demnach ihre angebliche und gesteuerte Feindschaft nicht mehr verstehen. Schon wird eingegriffen. Höre ich Kriegsromantik, ist mir nach Kotzen. Unsere Vorfahren entstammen solchen Desastern des sogenannten Heldenmuts. In jeder Familie steckt einer der Wissenden, notfalls im Keller, eher auf dem Dachboden. Dort schimmelt nichts.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Stahlhelm im Hühnerhof

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert